Der
Verein Angehörigengruppe Mittelhessen e.V.
wurde vor 10 Jahren gegründet. Eines der Vereinsziele ist, den
Angehörigen von psychisch kranken Menschen Rückhalt und Unterstützung zu geben.
Diesem Ziel diente das "Wochenende für uns" , das am 24./25. April 2010 im Sporthotel Grünberg stattfand. Bewusst
haben wir für unsere Veranstaltung einen Ort gewählt, an dem nicht nur das
Informationsbedürfnis, sondern auch das körperliche Wohlergehen zu seinem Recht
kommt.
Eine „Auszeit“ ist
manchmal nötig,
um selbst gesund zu bleiben „Auftanken, entspannen, dazulernen für
Angehörige von psychisch Kranken“ – das waren die Stichworte der Veranstaltung, die von der Selbsthilfeförderung der AOK unterstützt wurde. Wie
kann ich mit Stress umgehen lernen? Wie teile ich meine Wünsche und Bedürfnisse
mit? Was kann mir helfen, wenn es mir psychisch nicht gut geht? Was sind meine
Rechte und Pflichten, wenn ein Mitglied meiner Familie schwer erkrankt und
nicht für sich selbst sorgen kann? Diese Fragen wurden mit Hilfe von kompetenten
Referenten erörtert. Leonore Julius vom Bundesverband der Angehörigen (BApK) betonte die Bedeutung
der Selbstorganisation der Familien mit psychisch Kranken. „Wenn nicht wir
selbst unsere Wünsche und Interessen vertreten, wird niemand anders es tun“. Pamela Hirzmann, Psychotherapeutin (Gießen), erläuterte
die Vielzahl der psychotherapeutischen Verfahren. Nicht jedes Verfahren ist für jedes Problem geeignet. Fast wichtiger als
das angewandte Verfahren ist für den Erfolg der Behandlung jedoch, dass die
„Chemie“ zwischen Therapeut und Patient stimmt, betonte Hirzmann. Um
herauszufinden, ob das der Fall ist, können bis zu fünf therapeutische Probe-Sitzungen
stattfinden. Es gibt manches, was belastete Angehörige selbst
tun können, um gesund und lebensfroh zu bleiben. Es gelte, die Balance zwischen
Liebe und Abgrenzung zu finden. Alles, was Freude mache, vor allem auch
körperliche Bewegung, solle gepflegt werden. Ratschläge, die Petra Agnesens-Heintz (Karlsruhe) nur
unterstreichen konnte. Mit Hilfe der Diplom-Pädagogin und Familientherapeutin erfuhren
die Angehörigen nicht nur, wie man Stress und Burnout vermeidet, sondern auch,
wie man besser kommunizieren und damit viele schwierige Situationen bewältigen
kann. Dabei war nicht nur Zuhören, sondern auch Mittun bei unterschiedlichen
Übungen gefragt. Ein umfangreiches und schwieriges Thema bewältigte
Rechtsanwalt Michael Goetz (Stadtallendorf). Es ging um die Rechte der
Angehörigen. Goetz, Fachanwalt für Sozialrecht, stellte zunächst klar, dass
rechtlich grundsätzlich Eltern für ihre volljährigen Kinder nicht
verantwortlich und auch nicht zuständig seien. „Angehörige“ haben nur
abgeleitete Rechte. Goetz erläuterte, wann und wie eine
Betreuung eingerichtet wird, wann Geschäftsunfähigkeit eintritt, wie es mit der
Unterhaltspflicht bestellt ist und welche rechtlichen Möglichkeiten man hat,
sich gegen Aggression und Übergriffe zur Wehr zu setzen. Erwartungsgemäß musste
er im Anschluss an sein Referat viele Fragen beantworten.
Rückblick: 16. Oktober 2009
Vortrag und Diskussion für Angehörige von psychisch Kranken mit Nils Greve, Solingen: "Medikamente in der Psychiatrie. Wundermittel oder Teufelszeug?" Sind Medikamente in der Psychiatrie Wundermittel oder
Teufelszeug? Weder – noch, antwortete Nils Greve, Psychiater und Psychotherapeut. "Medikamente haben Risiken, die Krankheit aber auch“. Doch werden seiner Ansicht nach in Deutschland Neuroleptika gegen
Psychosen im Allgemeinen zu hoch dosiert, und der Schwerpunkt liege zu Unrecht
auf der medikamentösen Behandlung. Moderne Methoden der Hirnforschung zeigten
eindeutig, dass Psychotherapie vielfach ebenso wirksam sei wie Medikamente. In der
Praxis seien Medikamente allerdings vielfach allein schon deshalb
unverzichtbar, weil es nicht genügend Psychotherapeuten vor allem für schwer
Erkrankte gebe und überdies das Gesundheitssystem falsche Signale setze.
Es fehlt – so kritisierte Greve – bis heute ein bedürfnisangepasstes Hilfesystem
im ambulanten Bereich. Der Patient solle sich nicht darauf versteifen,
auf null Medikamente zu kommen. Ziel sei, die niedrigst mögliche Dosis zu
ermitteln. Zeitungsartikel zum Herunterladen: Klicken Sie hier ! Rückblick: Info-Veranstaltung zum persönlichen Budget im April 2008 Immer wieder beklagen Angehörige von psychisch Kranken, dass die Hilfeangebote nicht dem entsprechen, was gebraucht wird. Das sogenannte „Persönliche Budget“, eine gesetzliche Neureglung, auf die seit Januar ein Rechtsanspruch besteht, soll hier Besserung bringen. Am 8. April 2008 fand eine Informationsveranstaltung zum Persönlichen Budget statt. Was hat es damit auf sich, wer kann es beantragen? Dazu lud der Verein Regina Eccher und Andrea Pahlich ein, sachkundige Beraterinnen vom Projekt „InDiPro“ des Deutsch-israelischen Vereins in Giessen. Fazit ihres Vortrags im Hörsaal der Uni-Psychiatrie Giessen: Das persönliche Budget bringt Bewegung in die Hilfelandschaft und stärkt die Selbstbestimmung der Betroffenen und ihrer Angehörigen. Näheres über das Beratungsangebot auf der Homepage des Projekts: www.projekt-indipro.de
Rückblick: Workshop Sozialrecht
Alles, was RECHT ist. Sozialrecht und psychische Krankheit - ein Workshop (nicht nur) für Angehörige
Am 20. Oktober 2006 veranstalteten wir im Fortbildungszentrum des Landeswohlfahrtsverbands in Giessen, Licher Straße 106 einen Workshop zum Sozialrecht. Am Anfang stand eine Einführung in die Systematik der 12 Sozialgesetzbücher. Ergänzt wurde sie durch Informationen, welcher Kostenträger welche Leistungen finanziert. Von besonderem Interesse war das Referat über neue Modelle und rechtliche Bestimmungen mit dem Ziel, seelisch erkrankten und behinderten Menschen und ihren Familien bessere Hilfen zukommen zu lassen. Eine Komponente dazu ist das sogenannte "persönliche Budget", das den Betroffenen die Möglichkeit gibt, sich Hilfe nach ihrem Bedarf "einzukaufen".
Arbeit, Teilhabe, soziale Sicherung für psychisch kranke Menschen
Am 18. 11. 05 fand im Bürgerhaus Giessen-Kleinlinden unser 3. Angehörigentag statt, an dem neben Angehörigen aus dem mittelhessischen Raum auch zahlreiche professionelle Helfer und Betroffene teilnahmen. Eine Zusammenstellung von Materialien und weitere Infos finden Sie, wenn Sie auf der Leiste oben unter dem Stichpunkt 3. Angehörigentag klicken.
Rückblick auf das Jahr 2004 10 Jahre Gruppe - ein Fest, ein Buch
Im Jahr 2004 bestand die Angehörigen-Gesprächsgruppe, aus der unser Verein hervorgegangen ist, zehn Jahre. Aus diesem Grund veranstalteten wir ein großes Fest mit rund 100 Gästen, darunter auch solche aus Politik und Verwaltung und Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von gemeindepsychiatrischen Einrichtungen. Gleichzeitig erschien "Das Angehörigenbuch", in dem mit vielen Beispielen die Probleme und Wünsche der Angehörigen dargestellt, aber auch Professionellen Tipps für die Angehörigenarbeit gegeben werden.